FAQ zum Mindestlohn in Deutschland

von | Jun 19, 2024 | Fachkräfteintegration

Was ist der Mindestlohn?

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland ist ein Brutto-Stundenlohn, der allen Arbeitnehmern zusteht. Dieser Lohn wurde eingeführt, um ein existenzsicherndes Lohnniveau zu gewährleisten und Lohndumping zu verhindern. Mit anderen Worten, der Mindestlohn stellt sicher, dass Arbeitnehmer für ihre Arbeit einen fairen und ausreichenden Lohn erhalten, der ihnen ein würdiges Leben ermöglicht.

Aktuell liegt der Mindestlohn in Deutschland bei 12,41 Euro brutto pro Stunde. Dies bedeutet, dass kein Arbeitnehmer in Deutschland weniger als diesen Betrag pro Arbeitsstunde verdienen darf. Ab dem 1. Januar 2025 wird der Mindestlohn auf 12,82 Euro brutto pro Stunde steigen, was eine regelmäßige Anpassung an die Lebenshaltungskosten und wirtschaftlichen Bedingungen darstellt.

Wer legt den Mindestlohn fest?

Die Höhe des Mindestlohns wird von der Mindestlohnkommission festgelegt. Diese Kommission besteht aus 17 Mitgliedern, die von den Gewerkschaften, den Arbeitgeberverbänden und der Bundesregierung paritätisch besetzt werden. Die Mitglieder der Kommission bringen unterschiedliche Perspektiven und Interessen ein, was zu einer ausgewogenen und fairen Entscheidung über die Anpassung des Stundenlohns beiträgt.

Die Mindestlohnkommission prüft regelmäßig, ob der aktuelle Mindestlohn noch angemessen ist oder ob er angehoben werden muss, um den Arbeitnehmern weiterhin ein existenzsicherndes Einkommen zu garantieren. Dabei werden verschiedene wirtschaftliche und soziale Faktoren berücksichtigt, wie die allgemeine Lohnentwicklung, die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Durch diese regelmäßige Überprüfung wird sichergestellt, dass der Stundenlohn seine Zielsetzung, nämlich die Sicherstellung eines fairen Einkommens für Arbeitnehmer, stets erfüllt.

Welche Arbeitnehmer haben Anspruch auf den Mindestlohn?

Grundsätzlich haben alle Arbeitnehmer in Deutschland Anspruch auf den Mindestlohn. Diese Regelung gilt unabhängig von Faktoren wie Nationalität, Alter, Geschlecht, Beruf oder Art des Beschäftigungsverhältnisses. Das Mindestlohngesetz wurde eingeführt, um sicherzustellen, dass alle Arbeitnehmer eine faire Entlohnung für ihre Arbeit erhalten, unabhängig davon, in welcher Branche sie tätig sind oder welche Art von Vertrag sie haben. Es dient als Sicherheitsnetz, um Arbeitnehmer vor unangemessen niedrigen Löhnen zu schützen und die Lebensqualität zu verbessern.

Ausnahmen:

1. Auszubildende: Personen, die sich in einer dualen Ausbildung befinden, haben keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Stattdessen gelten für sie spezifische Ausbildungsvergütungen, die je nach Branche und Tarifvertrag variieren können. Diese Regelung soll sicherstellen, dass die Ausbildungskosten und die Investition in die berufliche Zukunft nicht durch hohe Lohnforderungen belastet werden.

2. Praktikanten: Praktikanten erhalten nicht immer den Mindestlohn. Insbesondere Praktika, die verpflichtend im Rahmen einer schulischen oder akademischen Ausbildung oder einer Umschulung absolviert werden, sind von der Mindestlohnpflicht ausgenommen. Auch freiwillige Praktika, die weniger als drei Monate dauern, fallen nicht unter die Mindestlohngesetzgebung. Dies soll den Bildungscharakter und den Lernaspekt dieser Tätigkeiten hervorheben.

3. Volontäre: Volontäre, die sich in einem Ausbildungsprogramm befinden, sind ebenfalls von der Mindestlohnregelung ausgenommen. Diese Programme, häufig im Medien- oder Kulturbereich, dienen der umfassenden beruflichen Qualifizierung und Weiterbildung. Sie beinhalten meist praxisnahe Schulungen und Trainingseinheiten, die nicht in erster Linie auf Erwerbstätigkeit abzielen.

4. Minijobber: Arbeitnehmer, die in sogenannten Minijobs beschäftigt sind und bis zu 520 Euro monatlich verdienen, fallen nicht unter die Mindestlohngesetzgebung. Minijobs sind geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, die vor allem als Nebenverdienst oder zur Überbrückung genutzt werden. Hier gelten spezielle Regelungen, um diese flexible Form der Beschäftigung zu fördern.

5. Langzeitarbeitslose: Personen, die länger als ein Jahr arbeitslos waren, sind in den ersten sechs Monaten einer neuen Beschäftigung vom Stundenlohn ausgenommen. Diese Ausnahme soll Arbeitgeber ermutigen, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben und ihnen den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Nach diesen sechs Monaten haben auch diese Arbeitnehmer Anspruch auf den vollen Mindestlohn.

Wie wirkt sich der Mindestlohn auf die Arbeitszeit aus?

Der Mindestlohn gilt für alle geleisteten Arbeitsstunden. Dies bedeutet, dass auch Überstunden, Sonn- und Feiertagszuschläge sowie Nachtzuschläge mindestens nach dem Mindestlohn vergütet werden müssen. Arbeitgeber sind verpflichtet, sicherzustellen, dass der Stundenlohn für diese zusätzlichen Arbeitszeiten nicht unter dem festgelegten Mindestlohn liegt.

Teilzeitbeschäftigte haben ebenfalls Anspruch auf den Mindestlohn. Der Stundenlohn berechnet sich aus dem Mindestlohn und der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit. Zum Beispiel erhält ein Teilzeitbeschäftigter, der 20 Stunden pro Woche arbeitet, für jede dieser Stunden mindestens den gesetzlichen Mindestlohn.

Der Mindestlohn stellt somit sicher, dass jede Arbeitsstunde fair vergütet wird, unabhängig von der Uhrzeit oder dem Tag. Dies schützt Arbeitnehmer vor unangemessen niedrigen Löhnen, insbesondere bei unregelmäßigen Arbeitszeiten oder besonderen Arbeitsbedingungen.

Wie berechne ich den Mindestlohn?

Der Mindestlohn wird grundsätzlich pro Stunde berechnet. Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass der Brutto-Stundenlohn ihrer Mitarbeiter nicht unter dem festgelegten Mindestlohn liegt. Bei der Berechnung des Mindestlohns müssen alle Zuschläge, wie Überstundenzuschläge, Sonn- und Feiertagszuschläge sowie Nachtzuschläge, berücksichtigt werden. Diese Zuschläge sind zusätzlich zum regulären Brutto-Stundenlohn zu zahlen.

Folgende Faktoren müssen bei der Berechnung des Stundenlohns beachtet werden:

  • Brutto-Stundenlohn: Der Grundbetrag, den ein Mitarbeiter pro Stunde erhält.
  • Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden: Die tatsächliche Arbeitszeit, die der Mitarbeiter erbringt.
  • Zuschläge: Zusätzliche Zahlungen für Überstunden, Arbeit an Sonn- und Feiertagen sowie Nachtarbeit.
  • Sachbezüge: Leistungen wie Unterkunft und Verpflegung, die als Teil der Vergütung gewertet werden können.

Fazit

Der Mindestlohn ist ein wichtiges Instrument, um faire Arbeitsbedingungen in Deutschland zu gewährleisten. Er trägt dazu bei, Armut zu bekämpfen und die soziale Gerechtigkeit zu stärken. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber sollten sich über ihre Rechte und Pflichten in Bezug auf den Mindestlohn informieren. 

Haben Sie noch weitere Fragen zum Thema Mindestlohn? Schreiben Sie uns gerne an 4EIGN Talents!